Die DiskussionsteilnehmerInnen tauschen sich zum Thema Vertrauen in Journalismus aus. (Foto von: Oliver Schaper)

25.01.2019

Klartext: Bürger, Journalisten und Experten diskutierten über Glaubwürdigkeit im Journalismus

„Was braucht vertrauenswürdiger Journalismus?“ Über diese Frage haben Journalistik-Studierende der TU Dortmund mit Experten, Medienmachern und Bürgern am 24.01.2019 debattiert.

Die öffentliche Veranstaltung bildete den Abschluss eines Seminars von Dr. Florian Meißner vom Institut für Journalistik. Unterstützt wurde sie von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bei der Diskussion standen neben verschiedenen Ansätzen zur Sicherung von Vertrauen der zuletzt bekannt gewordene Betrugsfall beim SPIEGEL – die Causa Relotius – im Vordergrund.

Der Dortmunder Journalistik-Professorin Wiebke Möhring zufolge setzt der wachsende Druck im Journalismus, spannende Geschichten zu liefern, problematische Anreize: „Ich glaube, in einigen von uns steckt vielleicht manchmal auch ein Mini-Relotius.“ Für Faktencheckerin Cristina Helberg vom gemeinnützigen Recherchenetzwerk CORRECTIV besteht ein Lösungsansatz in konsequent praktizierter Transparenz: „Es gehört zur Sorgfaltspflicht eines Journalisten, zu dokumentieren, wie er an seine Informationen gekommen ist. Manche Details wird man allerdings nie überprüfen können. In gewissem Maße müssen die Redaktionen ihren Redakteuren vertrauen.“

Bürgermedienmacher Mathias Tauche berichtete von seiner Arbeit bei „LokalFernsehen AhlenTV“: „Im Schnitt muss ich mich gezwungenermaßen für einzelne Aussagen meiner Interviewpartner entscheiden, damit der Beitrag nicht zu lang wird. Ich bilde also nicht die komplette Realität ab.“ Zusätzlich zu seinen Beiträgen veröffentliche er daher die ungekürzten Mitschnitte seiner Interviews im Internet. Um die Vertrauenswürdigkeit von journalistischen Medienangeboten besser einschätzen zu können, schlug Tauche ein Qualitätssiegel vor – ein Ansatz, der vom Podium kontrovers diskutiert wurde, etwa hinsichtlich der Instanz, die ein solches Siegel ausstellen soll.

Für Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Katherine Engelke von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster besteht ein wichtiger Ansatz darin, sich genauer mit verschiedenen Mediennutzer-Typen auseinanderzusetzen. Aus ihrer eigenen Forschung berichtete sie: „Unsere Befragten ließen sich häufig in drei Gruppen einteilen. Es gibt die Menschen, die dem Journalismus vertrauen, und welche, die ihm misstrauen. Die dritte Gruppe beschäftigt sich gar nicht mit Journalismus und das ist gefährlich“, so Engelke. Besonders skeptisch gegenüber Medien seien Menschen, wenn sie den Eindruck hätten, der Journalismus sei Teil des politischen Establishments.