19.06.2017

Forschungsprojekt analysiert Rechtsverstöße im „Tatort“

Tatort-Kommissare verstoßen gegen geltendes Recht, das ist ein Ergebnis einer Studie von Journalistik-Studierenden der TU Dortmund und Jura-Studierenden der Ruhr-Universität Bochum.

Sie haben 34 Folgen der ARD-Krimiserie aus dem Jahr 2015 analysiert und die Tatort-Ermittler und deren Rechtsauffassungen unter die Lupe genommen.

Bei ihrer Analyse haben die Studierenden herausgefunden, dass die Tatort-Kommissare tatsächlich in jeder Folge selbst gegen geltendes Recht verstoßen – pro Folge etwa dreimal. Bei den Vergehen handelt es sich hauptsächlich um Verstöße gegen die Strafprozessordnung, in der beispielsweise festgelegt ist, worüber ein Beschuldigter bei einer Festnahme informiert werden muss. Mit dem Strafgesetz hingegen kommen die Ermittler abgesehen von Hausfriedensbrüchen oder Verkehrsdelikten eher selten in Konflikt.

Ermittler überschreiten die Grenzen des Rechts zumeist, weil sie sich davon einen Ermittlungserfolg versprechen. In ihrer Studie haben die Studierenden herausgearbeitet, dass rund die Hälfte der Rechtsverstöße nicht zum Ermittlungserfolg beiträgt. Auch die Kollegen und Vorgesetzten der Kommissare drücken mal ein Auge zu, wenn geltendes Recht nicht eingehalten wird. So wurden lediglich vier Prozent der Rechtsverstöße sanktioniert.

„Uns interessiert, welches Bild von Recht und Justiz vermittelt wird und inwiefern das mit der Realität übereinstimmt“, sagt Medienrechtler Prof. Tobias Gostomzyk vom Institut für Journalistik, der das Projekt mit seiner Kollegin Julia Lönnendonker von der TU Dortmund geleitet hat. „Hierfür war es förderlich, dass in dem Projekt Journalistik- und Jura-Studierende zusammengearbeitet haben. So konnten wir die Methoden der Medienforschung mit juristischem Wissen kombinieren.“

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Die Kommissare sind zu 60% männlich, zu 65% zwischen 39 und 65 Jahre alt, deutsch, unauffällig gekleidet, clever und teamfähig.
  • Die Täter sind zu 91% Mörder, eher männlich als weiblich, in der Regel erwachsen, aber keine Senioren.
  • Die Opfer sind eher männlich, erwachsen, zu einem Viertel Personen mit Migrationshintergrund.

Die Tatort-Studie löste ein großes Medienecho aus. Zahlreiche Print- und Online-Medien sowie WDR und NDR berichteten über die Ergebnisse. Bei Deutschlandfunk-Nova hat Prof. Gostomzyk darüberhinaus in der Sendung "Dein Sonntag" über das Forschungsprojekt im Interview berichtet.